Nikolai Winter


«Auf Muottas Muragl im Oberengadin dürfen sich die Besucher auf ein neues künstlerisches Highlight freuen», kündete kürzlich eine Medien-
mitteilung der Bergbahnen Engadin St. Moritz AG an. Das Highlight entpuppte sich als eine zusätzliche Plastik entlang des Philosophen-
wegs, eine überdimensionale schwarze Frauenhand des Basler Künstlers Nikolai Winter. Elegant wirkt diese Skulptur, deren polierte Oberfläche im Sonnenlicht schimmert, durchaus. Doch diese Hand ist nicht nur schön, sondern ganz schön provokativ: Ihr ausgestreckter Mittelfinger ragt in die Höhe: Ein Stinkefinger, der gegen Südwesten gerichtet ist und das Val Roseg, St. Moritz, ja die ganze Umgebung, die vom Aussichtsberg zu erblicken ist, zu bedrohen und zu veräppeln scheint. Eine öbszöne Geste inmitten einer grandiosen Landschaft. Kann dies ein ernst zu nehmender Input für eine Grundsatzdiskussion sein oder handelt es sich hier lediglich um eine billige Provokation, eine von vielen, welche die Kunstgeschichte bereits sah? Oder befindet sich eine an für sich interessante Plastik lediglich am falschen Standort? – Wie auch immer die Antwort der Betrachter ausfallen mag: Muottas Muragl wird auch in Zukunft ein beliebtes Ausflugsziel bleiben. (mcj)