Nikolai Winter

Hamburg - Der ausgestreckte Mittelfinger weist in Richtung St. Moritz. Den Berg Muottas Muragl im Oberengadin ziert seit einigen Wochen eine 2,3 Meter hohe und mehr als zwei Tonnen schwere Frauenhand. Entworfen und gefertigt hat die Plastik der Schweizer Künstler Nikolai Winter. Die Landschaft in der die anthrazitfarbene Skulptur steht, ist atemberaubend, ein Bergpanorama wie aus dem Urlaubskatalog. Passt die Skulptur überhaupt in diese Umgebung? Ja, sagt der 24-jährige Basler.

SPIEGEL ONLINE: Herr Winter, Ihre Skulptur wurde rechtzeitig zur Eröffnung der Skisaison per Hubschrauber auf den Berg Muottas Muragl geflogen und aufgestellt. Wie haben die Schweizer darauf reagiert?

Winter: Die Reaktionen waren sehr gemischt. Von absoluter Verständnislosigkeit bis zu großem Lob war alles dabei. Aber das habe ich eigentlich auch nicht anders erwartet.

SPIEGEL ONLINE: Weil Sie bewusst mit dem Stinkefinger provozieren wollten?

Winter: Nein. Für mich steht eher die Ästhetik im Vordergrund, nicht die Provokation. Die Skulptur ist ein Aluminiumguss, beschichtet mit hochwertigem Autolack. Diese zarte Frauenhand ist etwas sehr Schönes. Ich habe viele Frauenhände diese Geste machen lassen - und mich dann für diese eine entschieden.

SPIEGEL ONLINE: Aber die derbe Botschaft steht doch im Gegensatz zur feinen Frauenhand?

Winter: Es ist ein thematischer Kontrast. Aber in unserer heutigen Welt ist diese Geste doch nichts Ungewöhnliches mehr. Ich wollte sie einfach in eine schöne Form gießen. Die Geste ist nicht böse gemeint, sondern eher spielerisch.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es eigentlich noch mehr Mittelfinger-Skulpturen von Ihnen?

Winter: In dieser Größe habe ich insgesamt sieben Stück gefertigt. Eine steht in Zürich, eine in Basel und nun eine über St. Moritz. Dazu gibt es noch sieben kleine, 75 Zentimeter hohe Hände.

SPIEGEL ONLINE: Wie kam die Idee dafür zustande?

Winter: Das Ganze hat seinen Ursprung in einem bekannten Club in Zürich. Ich habe mir überlegt, was diesen Club ausmacht. Und so ist eine Skulptur entstanden, die zugleich sexy, provokant und elegant sein soll.

Die Fragen stellte Jens Witte