Nikolai Winter

Der 21-jährige Basler Wirtschaftsstudent Nikolai Winter zeigt Zürich den Stinkefinger. Für den Edelklub Saint Germain hat er eine überdimensionale Frauenhand geschaffen, die von der Aussenterrasse des Bally-Hauses herab ihre provokante Botschaft verkünden soll.

Tagblatt der Stadt Zürich: Herr Winter, Sie mögen die Zürcher wohl nicht besonders. Aber müssen Sie uns gerade den Stinkefinger zeigen?

Nikolai Winter: Da dürfen sich die Zürcher nicht zu sehr angegriffen fühlen. Ich will sehen, wie sie damit umgehen. Sie sollten es mit Humor nehmen. Wir Basler haben da den Zürchern ja angeblich etwas voraus. Ob das wirklich stimmt, wird sich jetzt zeigen.


Immerhin richtet sich die Hand ausgerechnet zur Bahnhofstrasse, das Aushängeschild unserer Stadt.

Winter: Ursprünglich wollten wir die Skulptur bereits während des Weihnachtsverkaufs aufstellen, aber das war uns zu heikel. Denn mit der Bahnhofstrasse hat die Hand nichts zu tun. Sie ist kein Kommentar, obwohl ich ihre Botschaft in diesem Zusammenhang auch recht passend finde. Aber eigentlich soll sie lediglich das Wesen des Klubs Saint Germain zum Ausdruck bringen. Es war ja eine Auftragsarbeit von Klubbesitzer Carl Hirschmann.


Was will uns das Saint Germain sagen?

Winter: Die Hand ist keine grobe Männerhand, sonder die einer schönen Frau. Sie ist filigran, elegant und strahlt etwas Luxuriöses aus. Auf der anderen Seite ist die Geste vulgär, provokativ und sexy. Die Form, die Aura der Hand sind das Spannende. Und diese zwei Ebenen machen auch das Saint Germain aus.


Partylöwe Carl Hirschmann und Kunst; das will nicht so recht passen. Woher kennen Sie sich?

Winter: Unsere Väter sind befreundet.Carl Hirschmann kannte bereits meine bisherige Arbeit. Ich habe schon vorher eine Serie von Händen gemacht, die «Asian Hands». Sie waren ein grosser Erfolg, und Carl wollte unbedingt eine meiner Hände für seinen Klub. Insgesamt waren bei der Ausstellung dann sieben Plastiken im ganzen Lokal aufgestellt.


Sie selbst studieren Betriebswirtschaft in St. Gallen. Weshalb verschreiben Sie sich nicht ganz der Kunst?

Winter: Ich habe noch nicht genau definiert, was ich in Zukunft machen werde. Mein Vater ist Unternehmer in Basel und würde es gerne sehen, wenn ich in seine Fussstapfen trete. Ich habe herausgefunden, dass mir ein Praktikum bei einem erfahrenen Künstler mehr als ein Kunststudium bringen wird.


Ihre Skulpturen sind aufwändig gestaltet. Finanziert der Vater Ihre Werke?

Winter: Er hat einen grossen Beitrag geleistet. Und im Medienunternehmer Beat Curti fand ich einen Mentor, der mir neue Zugänge eröffnete. Durch den Verkauf meiner Werke kann ich jetzt sogar selbst in junge Kunst investieren.